Zieh dich richtig an:

So funktioniert das Zwiebelprinzip

Das erwartet Dich hier:

Frieren oder Schwitzen und das in schnellem Wechsel sind beim Angeln in „falscher“ Kleidung nicht selten. Wenn ihr aber einzelne Bekleidungskomponenten geschickt kombiniert, könnt ihr größtmöglichen Komfort erreichen und euch  beim Fischen den ganzen Tag pudelwohl fühlen. Wir zeigen euch, wie wir das machen!

Dauerhaft mehr fangen und Spaß haben?

„Ich bin kürzlich Vater geworden und habe gerade ein Haus gebaut. Durch die damit verbundenen Verpflichtungen und meinen Job komme ich momentan nicht so oft ans Wasser wie mir eigentlich lieb wäre. Angeltrips muss ich meistens längerfristig planen und ich kann dabei keine Rücksicht auf Wettervorhersagen nehmen. Bei Mistwetter ist mir die richtige Kleidung deshalb umso wichtiger, damit ich den Tag am oder auf dem Wasser trotzdem genießen kann“, lässt Teamer Christoph V. und Autor dieses Artikels verlauten.

Was ist das Zwiebelprinzip?

Mit dem „Zwiebelprinzip“ erfinden wir das Rad nicht neu. Der auch „3-Schichten-Prinzip“ oder „Lagen-Bekleidung“ genannte Witterungsschutz ist dir vermutlich schon bekannt. Wahrscheinlich hast du ihn bewusst oder unbewusst auch schon selber angewendet.

Aber…

  • …warum könnte es wichtig sein mehr darüber zu erfahren?
  • …wie funktioniert das Zwiebelprinzip eigentlich?
  • …was gilt es dabei zu beachten?

Das Zwiebelprinzip hat seinen Namen von dem allseits bekannten Gemüse. Die Zwiebel wärmt euren Anzug nicht nur von innen, wenn sie mal wieder körpereigenen Ausdünstungen verursacht. Die Zwiebel besteht auch vom Kern bis zur Schale aus vielen einzelnen Schichten. Dieses Schichtprinzip machen wir uns bei entsprechender Witterung zu Nutze. Die einzelnen Lagen unterscheiden wir in drei Schichten:

  1. Funktionsschicht: Base-Layer / Unterwäsche
  2. Funktionsschicht: Mid-Layer / Isolation
  3. Funktionsschicht: Shell-Layer / Windschutz

Natürliches Material vs. Synthetische Funktionsbekleidung

Grundsätzlich funktioniert das Zwiebelprinzip sowohl mit Klamotten aus natürlichen als auch mit synthetischen Materialien. Als natürliche Materialen kommen für den Wärmeerhalt insbesondere Baum- und Merinowolle in Frage. Ohne große körperliche Aktivität haben diese Wollsorten teilweise sogar eine höhere Wärmeleistung als synthetisches Material. Merinowolle hat noch einen weiteren entscheidenden Vorteil. Mehr dazu findet ihr weiter unten! Nachteilig kann bei natürlichen Materialien sein, dass ihr euch gegebenenfalls häufiger an- und ausziehen müsst, wenn ihr nur auf Naturprodukte setzt und ihr mit dem Zwiebelprinzip bzw. dem Temperaturempfinden eures Körpers noch nicht ganz so vertraut seid.

Am Wasser haben wir keinen Bock auf häufiges Umziehen. Zudem fehlt uns, ob am Ufer oder auf dem Boot, meistens der Platz, um abgelegte Kleidung ordentlich zu verstauen. Abgesehen davon ist uns die Zeit für ständiges An- und Ausplünnen viel zu schade: Zeit ist Fisch!

Moderne Outdoor-Klamotten beziehungsweise Funktionsbekleidung aus synthetischen Materialien können deinen Schweiß besser nach außen hin abtransportieren und verschaffen dir einen höheren Tragekomfort.

Damit das Zwiebelprinzip mit den „atmenden“ Synthetikstoffen funktioniert, müssen jedoch alle Schichten aus atmungsaktivem Material bestehen und den Feuchtigkeitsabtransport gewährleisten können. Trägst du zwischen Funktionsunterwäsche und atmungsaktiver Jacke beispielsweise einen Hoodie aus Baumwolle, stehst du nach kurzer Zeit in deiner eigenen Suppe und die beste Funktionsunterwäsche hilft dir nicht weiter.

Bei der Wahl des Materials gibt es kein richtig oder falsch. Ein Teil des Tideritter-Teams bevorzugt synthetische Funktionsunterwäsche, andere tragen gern Merinowolle direkt auf der Haut. Zieht an, worin ihr euch wohlfühlt, solange euer Angstschweiß im Drill durch eure Angelkleidung abgegeben werden kann.

Der klare Vorteil des Zwiebelprinzips unabhängig von der Materialwahl

Werden mehrere dünne Kleidungsschichten übereinander getragen, kannst du je nach Wetterlage und Befinden eine Schicht aus- oder anziehen. Da du in kleinen Schritten nachjustieren kannst, stehst du nicht im verschwitzten T-Shirt im Wind, wenn du Jacke oder Pullover ausziehst.
Wechselnde Witterungsbedingungen sind so kein großes Problem mehr.

Nass und kalt - Zwiebelprinzip anwenden und alles wird gut

Die einzelnen Schichten für deine Angelkleidung

1. Funktionsschicht: Unterwäsche (Base-Layer)

Die erste Schicht soll dich warm und trocken halten. Dazu muss sie eng am Körper anliegen. Nur so kann Feuchtigkeit, die vom Körper über die Haut abgegeben wird, durch die Kleidung nach außen weggetragen werden. Achte darauf, dass sie möglichst nicht kratzt, sonst ist die Freude am Zwiebelprinzip schnell vergangen. Wenn du „Müffeln“ der untersten Kleidungsschicht verhindern möchtest, kann ich dir wärmstens Merinowolle empfehlen. Die Wolle des Merinoschafes mit ihren feinen, gekräuselten Fasern sorgt für eine optimale Wärmeregulierung und wirkt antibakteriell, was dem Stinken entgegenwirkt. Auch Schweiß wird durch die Merinowolle förmlich direkt vom Körper aufgesaugt und an die darüber liegende Schicht abgegeben.

2. Funktionsschicht: Isolation (Mid-Layer)

Die mittlere Schicht wirkt isolierend und dient dem Wärmeerhalt. Je nach Außentemperatur bieten sich hier Pullover, Jacken und Westen aus hochfunktionalen Materialien an. Ein geringes Eigengewicht und hohe Elastizität haben sich hier für eine gute Bewegungsfreiheit und ein angenehmes Tragefühl als vorteilig erwiesen. Dabei müssen sie unbedingt atmungsaktiv sein, um den Feuchtigkeitstransport  gewährleisten zu können. Die zweite Lage muss nicht wind- und wasserdicht sein. Wenn es nicht regnet, trage ich sie auch oft als äußerste Kleidungsschicht.

Auch hier bietet es sich wieder an, die mittlere Kleidungsschicht relativ körpernah zu tragen. So fügt sie sich besser in das Schichtsystem ein als weite Kleidung. Die noch folgende, äußerste Kleidungsschicht kannst du dann auch leichter überstreifen. Die Isolationsschicht muss nicht zwingend aus nur einem Kleidungsstück bestehen. Mit zwei dünnen Kleidungsschichten kannst du dich den Temperaturen noch variabler anpassen.

Denkbare „Mid-Layer“ sind beispielsweise dünne Langarmshirts aus Funktionsmaterialien, Fleece-, Kunstfaser- und bei Kälte sogar Daunenjacken.

3. Funktionsschicht: Wind- und Wetterschutz (Shell-Layer)

Die äußerste Schicht schützt uns vor Schietwetter, was bei uns in Norddeutschland keine Seltenheit ist. Wind, Regen und sogar Schnee sollte eure Angelbekleidung im Winter standhalten können.

Als Shell-Layer kommen nur wind- und wasserdichte Jacken und Hosen in Frage. Gleichzeitig müssen sie atmungsaktiv sein, um euren „Dampf“ nach außen ablassen zu können.

Je nach Witterung empfehlen wir als Shell-Layer auch die, bei vielen Anglern zu recht beliebten, Thermoanzüge oder Flotationsuits.

Wichtig: Richtige Reinigung und Pflege der Funktionsbekleidung

Wenn ihr länger was von der atmungsaktiven und wasserabweisenden Funktion eurer Angelklamotten haben wollt, empfehlen wir euch unbedingt auf die Waschanleitung des Herstellers zu achten.

In jedem Supermarkt gibt es mittlerweile spezielles Waschmittel für Outdoor-/Sportbekleidung, die für die Klimamembranfasern geeignet sind. Mit „normalem“ Waschmittel verkleben die Membranen unter Umständen. Das Material einiger „Shell-Layer“ und auch unsere Schuhe imprägnieren wir zudem regelmäßig. Damit deine Angelbekleidung bei Regen auch langfristig wasserabweisend bleibt, empfehlen wir euch, eure Shell-Layer und Schuhe nach Herstellerangaben regelmäßig zu imprägnieren. So bleibt ihr immer schön warm und trocken!

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4 Kommentare
  1. Ulf
    Ulf sagte:

    Spannender Beitrag! Merinowolle als unterste Schicht kann ich auch empfehlen. Manchmal nutze ich sogar zwei Schichten, wenn wirklich mal eine durch ist, kann man so immer gut wechseln. Petri!

    Antworten
    • Chris
      Chris sagte:

      Petri Ulf,
      fetten Dank für Deinen Kommentar.
      Bei der zweiten Schicht muss man stets darauf achten, dass beide artmungsaktiv sind … möchte ich gern ergänzen.
      Petri in die Runde ;)

      Antworten
  2. Julius
    Julius sagte:

    Wirklich ein lesenswerter Beitrag! Gerade im Winter darf nicht vergessen werden, dass es am Gewässer auch mal kälter werden kann. Wenn man aber mit der Spinnrute unterwegs ist, kann einem mit dicken Sachen auch schnell mal zu warm werden … auf jeden Fall guter Beitrag, LG

    Antworten
    • Chris
      Chris sagte:

      Hey Julius,
      dafür sind ja die Spezifikationen innerhaölb des Artikels von meinem Namensvetter in den Artikel eingebracht worden. Wir alle kennen das Problem … auf Messers-Schneide die Klamotten so zu wählen, dass man nicht zu sehr schwitzt und gleichzeitig nicht friert. Duj hast den Hintergrund also top erfasst, denn uns ist es wichtig, auch alt hergebrachte Methodik in moderner Weise anwenden zu können. Das teilen wir gern mit Euch.

      Danke für Deine Frage.
      Petri

      Antworten

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