Jiggen auf Flussbarsche in Fließgewässern

„In diesem kleinen Bericht möchte ich Euch kurz das Jiggen auf Barsche in Norddeutschen Fließgewässern (Tidegewässer) näher bringen und eventuell könnt Ihr dadurch ein paar Tipps und Tricks an euren Gewässern anwenden.“

(Autor: Tim Philippsen)

Lass mal loslegen

Mein „Heimatfluss“ ist ein Nebenfluss der Elbe in Niedersachsen und unterliegt ebenso den Gezeiten wie die Nordsee, das heißt man muss sich auf wechselnde Strömungsbedingungen und Wasserstände einstellen. Die Köderpräsentation sollte dementsprechend angepasst werden.

Ein Großer Unterschied zum Angeln in stehenden Gewässern ist auch, dass alle Fische ständig in Bewegung sind und sich selten lange an einem Platz aufhalten.
Das ist gerade beim Jiggen im Winter von Vorteil, da die Fische definitiv mehr fressen müssen als es in Gewässern ohne Strömung der Fall ist.

Allerdings kann dann das Auffinden der Fische manchmal ziemlich zum Geduldsspiel werden. Hier gibt es dann zwei grundsätzliche Taktiken:

Mögliche Taktiken zum Fische finden

Beide Taktiken funktionieren und können effektiv sein, hier kommt es einfach auf das Gemüt des Anglers an. Ich favorisiere allerdings die zweite Taktik.

  • Verharren:

    Man entscheidet sich für einen Spot und verharrt an diesem über einen längeren Zeitraum und wartet bis die Fische vorbei kommen. Das heißt aber auch konsequentes Werfen um dann nicht den Trupp Fische zu verpassen.

  • Strecke machen:

    Viele Spots ansteuern und diese dann kurz und intensiv abfischen um dann relativ schnell den nächsten Spot anzusteuern.

Tim Philippsen

Tim Philippsen

Angler & Autor

Was is’n Jigging?

Als Jiggen bezeichnet man im Allgemeinen das Angeln mit Ködern (Kunst und Natur) an einem Haken mit Bleikopf (kurz Jig – hier lernst Du, wie Dur die Jigköpfe selber machen kannst). Es ist wohl die meist angewandte Technik, wenn es darum geht auf Raubfische, wie Barsch und Zander das Spinnfischen zu betreiben.

Natürlich fängt man damit auch alle möglichen anderen Fischarten, ich sage bewusst nicht Raubfische, aber ich nutze diese Technik hauptsächlich auf Barsche. Dabei kann man die Jigs in den verschiedensten Ausführungen und Techniken nutzen, da diese völlig Unterschiedliche Bewegungsmuster und Köderpräsentationen erlauben.

Gezielt das richtige Tackle finden

Info

Für die einzelnen Techniken und Varianten der Jig´s möchte ich euch eine kurze Erklärung geben. Diese beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen als auch aus Gesprächen mit Freunden und Kollegen.

Als allererstes benötigt Ihr aber eine vernünftige Ausrüstung mit einer Rute, Rolle und geflochtener Schnur. Mit vernünftig meine ich nicht hochpreisig, sondern der Technik entsprechend. Aber auch hier kommt es ganz auf den eigenen Geschmack und die persönlichen Erfahrungen an.

Ich nutze zum Jiggen im Fluss eher kurze Ruten bis 2,40m und einem Wurfgewicht bis 10 Gramm. Die Rute sollte eine straffe Aktion, aber nicht so hart wie beim Zanderfischen, haben. Bewährt haben Sich auch Ruten mit einer „Solid Tip“ Spitze. Diese ist eine verdünnte und weichere Spitze der Rute, welche die Köderführung und auch die Bisserkennung beim Barschangeln gerade mit kleinen Ködern verbessert. Auch verhindert diese weichere Spitze ein ausschlitzen der Barsche an harten Ruten. Hierzu gibt es auf der Seite Barsch-Alarm eine gute Erklärung.

Je nach Rute solltet Ihr eine Rolle der 1000er bzw. 2000er Größe nutzen, das hängt natürlich auch wieder viel vom einzelnen Angler und seinen Vorlieben ab. Zudem variieren die tatsächlichen Rollengrößen zwischen unterschiedlichen Herstellern. Ich selbst nutze eine Nomura Isei Professional Light Game Rute und eine 1000er Shimano Rarenium mit einer 0,08mm geflochtenen Schnur.

Komplettiert wird das Ganze mit ca. 1-2m Fluocarbon in 0,23mm als „Vorfach“. Ich passe die Länge und Stärke des Vorfachs an die Sichtigkeit des Wassers an.

Hinweis

Je klarer das Wasser, desto länger wähle ich das Vorfach.

Die Stärke des Vorfachs kann durchaus auch Variieren, da man dadurch das Sinkverhalten des Köders verändern bzw. anpassen kann. Auch hängt die Stärke von den Bedingungen unter Wasser ab, erwarte ich viele Steine und Muscheln, gehe ich auf einen Stärkeren Durchmesser.

Nun aber zu den von mir genutzten Jig´s und Ködern. Ich fische zu 90% mit Gewichten zwischen 3,5 und 7 Gramm in den Hakengrößen 1/0 und 2/0 und Ködern in 3“-4“ (Inch). Nur an einigen Spots kommen auch mal Jig´s in 10 Gramm zum Einsatz, da ich dort eine andere Technik anwende. Hierbei verwende ich hauptsächlich Rund- und Footballjigköpfe mit einem dünnen aber stabilen Haken. Im Winter kommen dann fast nur noch Jigköpfe mit einen Offsethaken zum Einsatz da sehr viele Brassen an den Spots stehen oder vorbei ziehen. Die möchte ich ungerne von außen Haken. Als Köder verwende ich schlanke Gummifische mit wenig Aktion bzw. nur einem kleinen Schwanzteller, da sich diese Köderform für meine Technik als am besten herausgestellt hat. Außerdem reagieren diese Köder nicht so anfällig auf die Strömung und lassen sich besser am Grund führen. Sobald die ersten Wollhandkrabben auftauchen und aktiv werden wechsle ich auch gerne zu Creaturebaits und Krebsimitaten.

Zusammengefasst

Rolle & Rute

Rute Von Zeck Fishing und Rolle von Shimano
  • Kurze Rute

    Bis ca. 2,40m

  • 1000’er Rolle

    1000’er bis 2000’er Rolle mit kleiner Übersetzung

  • Straffe Aktion

    ein gutes Rückgrat gepaart mit einer sensiblen Spitze

  • Weichere Spitze

    Für die Köderführung & Bisserkennung gut geeignet

Jigs

Owner Jigkopf in Football Form
  • 3,5 bis 7 Gramm

    In manchen Fällen (be mehr Strömung) auch mal 10 Gramm

  • Hakengrößen

    1/0 und 2/0

  • Rund- und Footballjigköpfe

    Für unterschiedliche Sinkeigenschaften

Schnur

Stroft Fluorocarbon
  • Hauptschnur auf der Rolle

    0,08mm bis 0,10mm Durchmesser / in PE KLassen: PE 0.2 bis PE 0.4

  • Fluocarbon als Vorfach

    in 0,23mm Durchmesser

Kleinteile & Köder

Kunstköder by TSD Custom Baits
  • Gummifische

    Schlanke Gummifische mit wenig Aktion bzw. nur einem kleinen Schwanzteller

  • Snaps / Karabiner

    Kleine Snaps genügen vollkommen

  • Keine Wirbel

    Beimn Führen von Gummifischen brauchst Du keine Wirbel (unnatürliches Verhalten des Köders)

So führe ich meine Köder

Ich fische meine Köder fast immer mit der Strömung, das heißt ich werfe stromauf und lasse den Köder dann auf mich zu treiben. Durch diese Art der Präsentation kann ich leichtere Jig’s gegenüber dem fischen gegen die Strömung nutzen. Auch sehen die Fische den Köder viel früher, da diese normalerweise mit dem Kopf gegen die Strömung stehen und dann der Köder auf Sie zukommt und nicht an Ihnen vorbei geführt wird.

Beim Fischen mit der Strömung positioniere ich mich ca. 5-15m Unterhalb des eigentlichen Spots. Dann überwerfe ich den Spot und lasse den Köder an gespannter Schnur bis zum Grund absinken. Anschließend beginne mit dem eigentlichen Jiggen. Dabei halte ich die Rute in der 11Uhr Stellung und jigge mit der Rute den Köder vom Boden hoch in der Absinkphase des Köders nehme ich dann die lose Schnur auf. Je nach Jahreszeit und Beißverhalten der Fische fallen diese Jigbewegungen unterschiedlich stark oder schnell aus. Auch sollte man diese Bewegungen den Beutetieren der Barsche anpassen.

Hinweis

Grundsätzlich würde ich sagen je kälter das Wasser, desto kleinere und langsamere Sprünge sollte der Köder machen.

1
2
3
Flusslauf
1

Von hier kommt das Wasser.

2

z. B. hier platziere ich meinen Köder.

3

Hier her führe ich dann den Köder

Sobald die Wassertemperaturen steigen, kann man die Jigbewegungen schneller und stärker ausführen. Zwei Ausnahmen hierzu wären das Vorkommen von Grundeln und Krebsen ( Wollhandkrabben ). Wenn sich die Barsche auf diese Beute eingestellt haben, ist es auch bei höheren Wassertemperaturen effektiv den Köder nur minimal über den Grund hüpfen zulassen. Allerdings sollte man dann den Spot gut kennen und wissen wir der Grund beschaffen ist, sonst ist die Tacklebox schneller leer als man gucken kann. Man kann für diese Art des Fischens auch die „Faulenzer“ Technik nutzen, allerdings ist hier die Köderführung schwerer zu variieren, da durch den Schnureinzug der Rolle das Anheben des Köders bestimmt wird und man den Köder weiter vom Grund abhebt als es mit kleinen Jigbewegungen machbar ist. Die Bisserkennung läuft zum größten Teil nur über die Schnur, da der Köder durch die Strömung auf uns zutreibt und zeitgleich in der Absinkphase ist, haben wir kaum Spannung auf der Schnur und die Bisse werden selten bis in die Rute übertragen. Daher muss man zwingend die Schnur beobachten, da man sonst viele Bisse verpassen wird.

Beim Fischen gegen die Strömung kommen deutlich schwere Gewichte zum Einsatz und die Technik sieht etwas anders aus. Jetzt positioniere ich mich oberhalb des zu befischenden Bereiches und werfe den Köder stromab. Der Köder wird auch an gespannter Schnur absinken gelassen bis er den Grund erreicht. Dabei halte ich die Rute in einer 9Uhr Position. Kommt der Köder am Grund an, kann ich durch einfaches heben und senken der Rute den Köder vom Grund abheben. Hierbei gilt: ist das Gewicht zu niedrig, kommt der Köder nicht am Grund an und ist das Gewicht zu schwer, muss man den Köder schneller und zügiger heranholen. Hat man das richtige Gewicht gewählt, kann man den Köder sehr lange an einer Stelle halten und durchaus mehrere Jigbewegungen ausführen, bevor man über die Rolle Schnur aufnehmen muss. Fischt man diese Technik mit einer Baitcaster, kann man theoretisch stromauf- und ab fischen. Um Stromab zu fischen lässt man die Rolle offen und steuert die Schnurfreigabe mit dem Daumen. Beim Anheben des Köders lässt man vorsichtig Schnur nach und lässt damit den Köder etwas mit der Strömung abtreiben. Mit etwas Übung lässt sich so eine längere Strecke abfischen.

So findest Du Spots, die Fisch bringen

Google Maps & Tiefenkarten nutzen

Meine bevorzugten Spots sind Bereiche mit Steinpackungen und die ausgespülten Bereiche in und hinter Flusskurven. Bei der Suche nach diesen Spots kommt mir der Gezeitenunterschied zwischen Ebbe und Flut zur Hilfe. Bei Niedrigwasser lassen sich wunderbar Spots und mögliche Hindernisse im Wasser erkennen. Da der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser an einigen Bereichen bis zu 2m beträgt, hat quasi jede Phase des Wasserstands einige andere Spots zu bieten, die man befischen kann.
Zum einen liegt das daran das einige Bereiche bei Ebbe einfach trocken liegen und zum anderen an der zu- oder abnehmenden Strömung bei wechselnden Gezeiten. Die Wasserstände verteilen sich bei uns auf ca. 7 Std. ablaufendes und 5 Std auflaufendes Wasser. Die Bewegungen verschieben sich dabei um ca. 50 Minuten von Tag zu Tag nach hinten. Daher ist es ratsam einen Gezeitenkalender zu besitzen bzw. diesen Online einzusehen. (https://www.bsh.de/DE/DATEN/Gezeiten/gezeiten_node.html).

Hinweis

Die beste und am einfachsten zu fischenden Zeit ist ca. 2 Std vor Niedrigwasser bis zu 1 Std danach.

Die Wasserstände werden an Unterschiedlichen Punkten gemessen und verschieben sich dabei je nach Entfernung zum Messpunkt um 3-4 Std. Das heißt wenn am Messpunkt 14:00 Uhr Niedrigwasser vorher gesagt wird, dann kann es Flussaufwärts durchaus erst um 16:45 Uhr sein.

Erkenne Deinen Spot

Steinpackung mit Abbruchkante
Steinpackung mit Abbruchkante und Angel-Tipps

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5 Kommentare
  1. Michi Schäfer
    Michi Schäfer sagte:

    Moin Tim.
    Erstmal vielen Dank für deinen TOP geschriebenen Bericht. Wirklich Klasse!!!
    Ich selbst habe es seit gut 2 Jahren aufgegeben an der Tide Elbe auf Barsch zu fischen, obwohl ich selbst mit einem Bein in der Elbe wohne( Neuengamme).
    Ich habe einfach keinen Erfolg bei uns. Anders wiederum ist es an meinem Hausgewässer der Doven- Elbe,Elbe bei Hitzacker oder im HH- Hafen. Dort fange ich gute bis sehr gute Barsche. Aber was nicht ist, kann ja noch werden…..;-) Ach ja, fische ähnlich wie du.

    Nochmals vielen Dank für deinen Bericht
    Tight Lines
    Gruss Michi

    Antworten
  2. Tim
    Tim sagte:

    Moin Michi,

    Vielen Dank für deinen netten Kommentar.
    Ich habe auch mehr als zwei Jahre gebraucht um meinen Fluss zu knacken. Die ersten Barsche waren beifang und iwann kam der Gedanke diese gezielt zu beangeln. Ich kann die Schneidertage garnicht mehr zählen und auch heute gehören diese Immer noch dazu.

    Die Gewässer bei dir hören sich doch sehr gut an. Dort war ich noch nie fischen. Bzw im Hafen schon, aber das ist mir persönlich zu überlaufen.

    Mfg

    Tim

    Antworten
    • Michi
      Michi sagte:

      Hi Tim.
      Da hast du recht, die Hafenecken sind teils stark überlaufen. Deshalb gehe ich gerne des öfteren Nachts
      dort hin. Dann hast du deine Ruhe und es fällt genug Licht ins bzw. aufs Wasser. Den einen oder anderen guten
      Barsch konnte ich dadurch überlisten ;-)

      Gruss Michi

      Antworten
      • Tim
        Tim sagte:

        Moin Michi,

        Ja das klingt doch sehr schön. Gerade nachts beißen ja auch die etwas besseren Barsche und die meisten anderen haben es eh nur auf Zander abgesehen. Gruss

        Antworten
  3. Julius
    Julius sagte:

    Hervorragender Beitrag! Barsche sind vor allem für Anfänger gut geeignet finde ich. Und man hat auch immer mal einen Dickeren dabei. Vielen Dank für deine spannenden und nützlichen Tipps! Petri

    Antworten

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